schülerjahre
von remo h. largo und martin beglinger
wer die ersten zwei teile des buches liest, kommt nicht umhin sich zu fragen, wozu die schule überhaupt gut ist. kinder – so largo – wollen lernen. sie lernen gerne, vorausgesetzt, sie werden durch den stoff nicht über- oder unterfordert (was in der schule oft genug geschieht.) jedes kind – so largo weiter – ist anders, was seine kompetenzen und lerntechniken anbelangt und niemand weiss besser, wo die stärken und grenzen eines kindes liegen, als das kind selbst. demnach wählt ein kind (hat es denn die möglichkeit dazu!) genau den stoff, schwierigkeitsgrad und die lerntechnik, die zur gegebenen zeit für seine entwicklung geeignet sind (in der schule aber entscheiden lehrplan & lehrer, womit sich das kind wie, wann und wie lange beschäftigen muss.)
dennoch lehnen largo & beglinger die schule grundsätzlich nicht ab. für sie ist sie ein ort sozialen lernens und der integration. sie stellt für kinder aus bildungsfernen familien eine chance dar und soll gemeinsam mit den eltern die erziehungsaufgabe übernehmen.
so entwerfen largo & beglinger im dritten teil eine „gute“, d.h. eine „kindorientierte schule“. wie schon in „babyjahre“ und „kinderjahre“ legt largo seine gedanken flüssig und prägnant dar und überzeugt mit fundiertem wissen und starken argumenten. damit sich aber eine kindorientierte schule durchsetzen könnte, wäre – wie largo selbst eingesteht – vor allem eines nötig: ein wertewandel. eine kindorientierte schule kann nur in einer gesellschaft entstehen und bestehen, die den menschen (also auch das kind) und seine je eigenen bedürfnisse in den mittelpunkt stellt. dass wir davon (noch?) weit entfernt sind, darüber kann auch die tatsache, dass largos „schülerjahre“ auf den bestseller-listen steht, nicht hinwegtäuschen.
piper, isbn: 978-3-492-05265-8
noch ein lesetipp (passend zum thema): "denn mein leben ist lernen" von olivier keller, arbor, isbn: 978-3-933020-06-2